Mitteilungen
Hydraulisches Kraftwerk Beznau: Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen auf Gemeindegebiet Döttingen
Rund um das Hydraulische Kraftwerk Beznau (HKB) finden von Anfang Mai bis ca. Ende Jahr umfangreiche Bauarbeiten statt. Im Rahmen der Neukonzessionierung erstellt die Axpo als Eigentümerin und Betreiberin des HKB diverse ökologische Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen. Die Gemeinde Döttingen ist durch die Massnahme 2 der nachstehenden Auflistung betroffen.
Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen im Detail
Buhnen linkes Ufer Restwasserstrecke (1)
Entlang des linken Ufers der Restwasserstrecke sollen 8 Buhnen (quer in die Aare gebaute Strukturen) aus formwilden Steinblöcken erstellt werden. Die Buhnen werden durch diverse Strukturelemente aus Totholz und Blocksteinen ergänzt. Durch die Buhnen sollen möglichst grosse Auflandungen provoziert, die Strömungs- und Strukturvielfalt im Gewässer erhöht sowie Unterstände geschaffen werden. Die Steinblöcke bei den Buhnen werden unregelmässig angeordnet, sodass für Fische und andere aquatische Lebewesen möglichst grosse Zwischenräume entstehen. Im Hochwasserfall bilden die Zwischenräume und strömungsberuhigten Zonen hinter den Buhnen wichtige Rückzugsgebiete für die aquatische Fauna. Die weiteren Strukturelemente aus Totholz und Blocksteinen tragen zudem zu einer Habitatvielfalt bei und die Morphologie des linken Ufers der Restwasserstrecke wird damit deutlich aufgewertet.
Aufwertung rechtes Ufer Restwasserstrecke (2)
Die ökologisch wertvolle Kiesbank am rechten Ufer, welche als Laichgebiet für national prioritäre Fischarten wie die Nase und Äsche dient, ist stellenweise kolmatiert (durch feine Ablagerungen versiegelt). Entsprechend wird als Massnahme die oberste Kiesschicht auf einer Fläche von ca. 8'000 – 10’000 m² mittels Bagger aufgelockert, damit diese für kieslaichende Fische als Laichsubstrat wieder zur Verfügung steht. Diese Massnahme wird in Abhängigkeit ihrer Entwicklung anschliessend alle 1-2 Jahre wiederholt. Zudem werden an geeigneten Stellen entlang vom rechten Ufer Strukturelemente aus Totholz und Blocksteinen erstellt, welche die Strömungs- und Strukturvielfalt erhöhen sowie Unterstände für aquatische Lebewesen schaffen. Durch diese Massnahme wird die Naturverlaichung gefördert und es findet eine Aufwertung des Lebensraums für Fischlarven und Jungfische statt. Potenziell können auch Vogelarten profitieren, welche auf eine vegetationsarme Kiesfläche angewiesen sind.
Flachsee Grossmatt/Au (3)
Da der bestehende, steile Uferdamm ein Wanderhindernis für Wildtiere darstellt, wird er abgeflacht, an mehreren Stellen durchgebrochen und die Ufermauer zurückgebaut. Dadurch wird das dahinterliegende Waldstück grösstenteils geflutet und es bildet sich ein Flachsee. Teile des gefluteten Waldes werden langsam absterben und einen Bruchwald bilden.
Der Flachsee bietet einen neuen wertvollen Lebensraum für die aquatische Fauna. Die flachen und strömungsberuhigten Bereiche bieten den Jungfischen ein ideales Aufzuchtgewässer. Die vielen Holzstrukturen im Bruchwald bieten aber auch adulten Fischen geeignete Unterstände. Auch die Fortpflanzung von pflanzenlaichenden Fischen wird durch den Bruchwald sowie Röhrichtvegetation am Ufer gefördert. Nicht zuletzt wird ein Rückzugsgebiet während Hochwasser geschaffen. Um ein naturnahes Ufer zu schaffen, werden bei den Durchbrüchen am Uferdamm zusätzlich Totholzelemente eingebracht, welche weitere Strukturen für Fische schaffen. Es entsteht ein neuer Lebensraum für Fischlarven und Jungfische, welche im heutigen Zustand nur begrenzt strömungsberuhigte Flachwasserzonen vorfinden.
Durch diese Massnahme werden zudem Defizite hinsichtlich Ein- und Ausstiegs zur Aare beim überregionalen Wildtierkorridor zwischen dem Jura/Westschweiz und der Ostschweiz behoben und die Vernetzung der aquatischen und terrestrischen Lebensräume wird deutlich verbessert.
Wildtierwarteraum Grossmatt/Au (4)
Unmittelbar angrenzend an den Flachsee wird ein Warteraum für Wildtiere geschaffen, wo diese vor und nach der Überquerung der Aare einen geschützten Bereich zur Erholung auffinden. Im heutigen Zustand fehlen auf dieser Seite der Aare Strukturen, wo Wildtiere, welche den überregionalen Wildtierkorridor über die Aare überqueren, sich zurückziehen können und vor menschlichen Einflüssen abgeschirmt sind.
An den Randbereichen des Warteraums werden diverse einheimische Büsche, Hecken und Bäume gepflanzt. Dadurch soll ein von Spaziergängern und Freizeitsportlern abgeschirmter Raum entstehen. Der Wildtierwarteraum wird als ökologisch äusserst wertvolle Magerwiese bzw. Ruderalfläche mit Feuchtbiotopen sowie diversen Kleinstrukturen gestaltet. Dazu wird die ganze Fläche abhumusiert sowie zwei Mulden bis zum Grundwasser und ein eine leicht vertiefte Fläche gestaltet. Als Kleinstrukturen werden u.a. Ast- und Steinhaufen als Unterschlupfe für Kleinsäuger, Reptilien, Amphibien und Insekten geschaffen. Auf diese Weise entstehen neue seltene und wertvolle Lebensräume mit nationaler Priorität.
Seitengewässer Kumetmatt/Stalde (5)
Im Gebiet bei Kumetmatt/Stalde nahe Stilli wird ein Seitengewässer sowie Buchten und kleine Kiesinseln erstellt. Das rund 400 m lange Seitengewässer wird ganzjährig mit Wasser durchströmt. Durch das Einbringen von diversen Strukturelementen wie Wurzelstöcke, Raubäumen, etc. werden die Strukturvielfalt erhöht und Unterstände für Fische geschaffen.
Am Aareufer werden mehrere kleine Buchten zur Aufwertung der Morphologie erstellt. Die geschütteten Kiesinseln werden über die Zeit nach und nach abgetragen, währenddem in den Buchten auch Verlandungsprozesse möglich sind. Im Bereich des Seitengewässers wird eine natürliche Sukzession zugelassen, sodass sich über die Zeit ein Auenwald bilden kann. Pflegeeingriffe werden nur falls zwingend erforderlich durchgeführt. Die so erschaffenen neuen Lebensräume ergänzen das Auengebiet kantonaler Bedeutung sowie das Naturschutzgebiet «Kumetmatte» von Pro Natura Aargau in der unmittelbaren Umgebung.
Amphibiengewässer Kumetmatt/Stalde (6)
Die Massnahme sieht die Schaffung von einer Vielzahl amphibischer Tümpel direkt angrenzend an das Seitengewässer Kumetmatt/Stalde vor. Die Tümpel werden durch Niederschlagswasser gespiesen, verschieden tief sein und teilweise auch regelmässig austrocknen. Durch das periodische Trockenfallen können Fressfeinde der Larven (v.a. Insekten) reduziert werden. Um eine zu schnelle Austrocknung zu verhindern, werden sie jedoch abgedichtet.
Die Amphibiengewässer werden durch einen kleinen Damm abgeschirmt, sodass sie auch bei kleineren Hochwassern nicht überschwemmt werden. Damit kann das unerwünschte Eindringen von Fischen, welche den Laich fressen und bei rückgehendem Wasser in den Kleingewässern gefangen sind, verhindert werden. Rund um die Amphibiengewässer werden zudem Asthaufen, Steinlinsen und Co. gebaut, damit zusätzlicher Lebensraum für Amphibien geschaffen werden kann. Durch die Massnahme können Amphibien als typische Auenbewohner und die Vernetzung mit den verschiedenen weiteren amphibischen Biotopen in der Umgebung wie dem Naturschutzgebiet von Pro Natura Aargau gefördert werden.